Abu Dhabi Desert Safari

Abu Dhabi Desert Safari

Nach der zweistündigen Besichtigung der Scheich-Zayid-Moschee und der Wiedererlangung meines Seelenfriedens gab ich den liebgewonnenen Umhang wieder ab. Danach ging es erstmal zurück ins Hotel. Auf der Rückfahrt gab es dann auch noch ein überraschendes Erlebnis. In den meisten Ländern fährt man relativ ungerne zur Tankstelle. Aber in den Emiraten ist die Welt, was das angeht, noch in Ordnung. Wo auf der Welt kann man sonst einen absolut leergefahrenen Tank für 12 Euro wieder randvoll auffüllen? Hätte ich vor dem Rückflug mal lieber noch Sprit in den Koffer gepackt. Jetzt verstehe ich auch, warum die Emiratis beim Einkaufen den Motor laufen lassen können, damit die Klimaanlage weiterläuft.

Abfahrt in Richtung Wüste

Im Anschluss an eine kurze Pause im Hotel wartete bereits der nächste Programmpunkt: Eine Wüstensafari samt Besuch eines Beduinencamps mit Abu Dhabi Desert Safari. Beim Warten in der Hotellobby musste ich feststellen, dass ein deutsches Ehepaar samt Kleinkind ebenfalls mit von der Partie war. Welch Glück. Trotzdem war die Vorfreude groß und mit unseren Fahrern machten wir uns kurzerhand auf den Weg in Richtung Wüste. Weil vor der eigentlichen Safari noch etwas Zeit war, führte uns der erste Teil der Tour zum Yas Marina Circuit. Dort wird jedes Jahr im Rahmen der Formel 1 der Große Preis von Abu Dhabi ausgetragen. Nach einem kurzen Blick auf die Strecke, setzten wir die Fahrt zu unserem ersten planmäßigen Stopp fort.

Zwischenstopp auf einer Kamelfarm 

Zunächst fuhren wir über asphaltierte Straßen, bis der Fahrer relativ spontan entschied, gen Wüste abzubiegen. Nachdem wir die Straße verlassen hatten, hielten wir an, damit etwas Luft aus den Reifen gelassen werden konnte. Dadurch wird die Oberfläche der Reifen vergrößert, um den Wagen auf dem Sand manövrieren zu können. Als genug Luft aus den Reifen war, bekamen wir eine erste Kostprobe von der eigentlichen Safari. Mit 100 km/h fuhren wir auf einer moderat buckligen Piste, die uns ordentlich durchschüttelte. Allmählich tauchte das erste Lächeln in ein paar Gesichtern auf. Am Ende dieser rasanten Einführung machten wir noch Bekanntschaft mit den Kamelen der bereits erwähnten Farm.

Abu Dhabi Desert Safari - Kamelfarm
Abu Dhabi Desert Safari – Kamelfarm
Abu Dhabi Desert Safari - Kamelfarm
Abu Dhabi Desert Safari – Kamelfarm
Abu Dhabi Desert Safari - Wüste von Abu Dhabi
Abu Dhabi Desert Safari – Wüste von Abu Dhabi

Achterbahn mal anders

Im Anschluss an den Besuch der Kamelfarm wurde es endlich abenteuerlich. Auf den ersten beiden Dünen gab es noch Zeit, um sich an das Gefühl einer Achterbahnfahrt zu gewöhnen. Doch danach prügelte der Fahrer den Wagen kreuz und quer durch die Wüste. Beim Betrachten der vorausfahrenden Fahrzeuge hatte man nicht das Gefühl, dass es dort allzu wild zuging. Als wir aber selber die Dünen runtergerast sind und in den steilen Sandkurven in unsere Sitze gepresst wurden, wussten wir, was Sache war. Gut, dass der Wagen im Inneren ausreichend gepolstert war. Gegen einen schwachen Magen half aber auch das nichts. So entschied sich eine Passagierin noch während der ersten Runde des Dünen-Bashings dazu, das ein oder andere “Bäuerchen” zu machen. Da der sich ausbreitende Geruch keine unmittelbare Wohlfühlatmosphäre schuf, legten wir unerwartet früh die erste Pause ein. Eine gute Gelegenheit, um die spektakuläre Weite der Wüste sowie die unterschiedlichen Lichter und Farben zu bestaunen.

Chuck-Norris-Baum. Braucht kein Wasser und wächst da, wo er will.
Chuck-Norris-Baum. Braucht kein Wasser und wächst da, wo er will.
Abu Dhabi Desert Safari - Pause in der Wüste
Abu Dhabi Desert Safari – Pause in der Wüste

Während der nächsten Runde nahm der Fahrer keine Rücksicht auf die gute Frau. Wahrscheinlich aus Protest entschied sie sich deshalb, bis zum Ende der Safari alles aus sich herauszuholen. Auf der einen Seite unschön für sie und alle Beteiligten. Andererseits auch reichlich clever von ihr, weil sie so Platz für das üppige Abendessen im Beduinencamp schaffen konnte.

Ankunft im Beduinencamp

Eine Stunde vor dem Sonnenuntergang erreichten wir das Beduinencamp in der Wüste von Abu Dhabi. Bis zum Fastenbrechen, dem Iftar, konnte man sich die Zeit mit Quadfahren, Kamelreiten, Dünensurfen oder einfach nur mit einem Spaziergang in den Dünen vertreiben. Als erstes versuchte ich mich im Dünensurfen, aber scheinbar waren die Dünen für mein Gewicht nicht gemacht und so endete ich eher als Dünen-U-Bahn, weil ich die meiste Zeit unter der Sandoberfläche feststeckte, dabei aber nicht wirklich vorwärts kam. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich von den wesentlich besser angepassten Kamelen dem Sonnenuntergang entgegen tragen zu lassen (das arme Tier musste danach lange, lange schlafen). Die letzten Minuten verbrachte ich mit einem entspannten Todesmarsch hinauf auf eine der größeren Dünen, um das eindrucksvolle Panorama bestmöglich einfangen zu können. Eine Anstrengung, die sich vollends gelohnt hat.

Mann macht Kamel kaputt
Mann macht Kamel kaputt
Wieso hat das Kamel kein WLAN? Ich will SOFORT nach Hause!
Wieso hat das Kamel kein WLAN? Ich will SOFORT nach Hause!
Abu Dhabi Desert Safari - Sonnenuntergang
Abu Dhabi Desert Safari – Sonnenuntergang
Abu Dhabi Desert Safari - Sonnenuntergang
Abu Dhabi Desert Safari – Sonnenuntergang

Iftar: Das traditionelle Fastenbrechen

Die letzte Aufgabe des Tages bestand darin, an dem traditionellen Fastenbrechen teilzunehmen, das während des Ramadan nach dem Sonnenuntergang gefeiert wird. Dazu versammelten sich die Teilnehmer verschiedener Safarigruppen im Beduinencamp, wo man zusammen auf Teppichen und großen Kissen Platz nahm, um dann das Iftar zu feiern.

Abu Dhabi Desert Safari - Beduinencamp
Abu Dhabi Desert Safari – Beduinencamp

Nach dem Sonnenuntergang warteten alle auf das Gebet, das den Zeitpunkt des Fastenbrechens festlegte.  Üblicherweise isst man zunächst ein paar Datteln und trinkt dazu etwas Wasser. Anschließend durfte sich jeder an dem reichhaltigen Buffet bedienen. Natürlich gab es auch hier wieder Hummus ohne Ende, dazu Safran-Reis, Shawarma mit unterschiedlichen Fleischsorten, frisches Gemüse und Obst (hab ich zumindest von gehört) und allerhand süße Nachspeisen. Aber auch an die weniger experimentierfreudigen Reisenden wurde gedacht und so gab es auch Pommes oder verschiedene Nudelgerichte. Leider konnte Hubi aus irgendeinem Grund aber nichts essen und lag die meiste Zeit auf den Teppichen herum, bis er sich für ein paar Minuten verdrückte. Als die ehemalige Koryphäe auf dem Gebiet der Erbrechenswissenschaft Gabi den kleinen Alfred nach dem Verbleib seines Vaters fragte, wusste dieser eloquent mit “Der ist gerade kacken” zu antworten, was einiges erklärte. Eine phantastische Familie.

Im Anschluss an das ausgiebige Abendessen konnte man sich die Zeit entweder mit dem Rauchen einer Shisha, Henna-Tätowierungen oder der Jagd nach kleinen Souvenirs vertreiben, oder man posierte in traditionellen arabischen Kleidern für ein Erinnerungsphoto. Die meisten Safari-Teilnehmer lagen jedoch auf den Teppichen und ließen es sich nicht nehmen, den Sternenhimmel über der Wüste zu bestaunen, denn ohne die gewohnte Lichtverschmutzung der Großstadt hatte man hier einen nahezu perfekten Ausblick.

Am Ende es Abends machten sich die Fahrzeuge auf den Weg zurück zu den Hotels in Abu Dhabi. Viel wurde während der Fahrt nicht mehr geredet, da wir vom vielen Essen einfach zu müde waren. So blieb es angenehm ruhig und vor allem speifrei. Am Hoteleingang verabschiedeten wir uns noch dankbar von unseren Fahrern und jeder ging seinen Weg. Jetzt hieß es nur noch Koffer packen für den nächsten Tag, denn da stand auch schon der Rückflug nach Deutschland an.

Ich kann ehrlich behaupten, dass ich mich selten so erholt gefühlt habe (zumindest dann, wenn ich nicht Opfer des Straßenverkehrs wurde), da ich mir bisher im Urlaub aber auch nie die Zeit genommen habe, um einfach mal nichts zu tun. Was ich aber darüber hinaus bemerkt habe: Dauerhaft bin ich gar nicht der Typ dafür. Viel lieber verbringe ich Zeit in großen Städten und versuche ein Teil von einer fremden Umgebung zu werden. Auch ein Roadtrip entspricht eher meiner Vorstellung vom Reisen, weil es ständige Bewegung bedeutet und man in kurzer Zeit neue Eindrücke bekommt. Aber eine willkommene Ausnahme war der Trip in die Emirate allemal, denn auch diesmal gab es interessante Dinge zu sehen und ich konnte neue Erfahrungen machen. Und letzten Endes geht es doch genau darum: Die uns gegebene Zeit mit Erfahrungen zu bereichern, die für uns eine Bedeutung haben und uns glücklich machen.

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